Sich selbst die Karten legen: Regeln, Fallen und Übung

Tarot avec significations en français – Dark Forest Tarot

Kann man sich selbst die Karten legen? Ja, und viele fangen genau so mit dem Tarot an. Die Schwierigkeit ist nicht die Technik, sondern die Objektivität: Wenn dich die Frage berührt, liest du leicht das, was du dir erhoffst. Ein paar einfache Regeln halten den Kopf klar.

Darf man sich selbst die Karten legen?

Du hörst manchmal, man dürfe sich „nicht selbst die Karten legen“ oder es bringe Unglück. Das ist keine Regel des Tarots. Für manche Leser ist es eine Vorsichtsmaßnahme, die auf einer richtigen Beobachtung fußt: Mitten in einer Situation bist du emotional beteiligt, und es fällt schwerer, die Karten mit Abstand zu betrachten. Unserer Erfahrung nach verlangt das Lesen für sich selbst mehr Disziplin als das Lesen für andere.

Trotzdem kannst du es tun, und zwar sehr gut. Siehst du das Tarot als Spiegel, als Werkzeug, um Gefühlen Worte zu geben und Möglichkeiten zu überlegen (nicht, um die Zukunft vorherzusagen), ist das Legen für dich selbst die natürlichste Anwendung überhaupt. Genau darum geht es in unserem Artikel Tarot zur Selbstreflexion und Schattenarbeit.

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Welche Fallen gibt es, wenn man sich selbst die Karten legt?

  • Lesen, was man sich erhofft. Wartest du auf eine bestimmte Karte, siehst du sie überall. Das ist eine der häufigsten Fallen.
  • Legen aus Angst. Je ängstlicher du bist, desto mehr deutest du jede Karte als Zeichen. Die Karten werden dann zum Verstärker deiner Sorge.
  • So lange wiederholen, bis die „richtige“ Antwort kommt. Dieselbe Frage fünfmal zu legen heißt, Beruhigung zu suchen, nicht Klarheit.
  • Versuchen, die Gedanken eines anderen zu lesen. „Was denkt er?“ liefert nichts Brauchbares, „Wie erlebe ich das?“ dagegen schon.
  • Eine Legung mit einer Entscheidung verwechseln. Eine Legung erhellt, sie entscheidet nicht für dich.

6 Regeln, um objektiv zu bleiben

  1. Schreibe deine Frage auf, bevor du mischst. Und ändere sie nicht mehr. Eine aufgeschriebene Frage hindert dich daran, sie unterwegs so umzuformulieren, dass sie zur Karte passt.
  2. Stelle eine offene Frage. „Was sollte ich über … verstehen?“ statt „Wird …?“. Ideen findest du in den 100 Fragen an das Tarot.
  3. Beschreibe, bevor du deutest. Notiere, was du auf jeder Karte siehst, und erst danach die Bedeutung. So projizierst du weniger.
  4. Nur eine Legung pro Frage. Willst du darauf zurückkommen, warte mindestens einen Tag, bei großen Entscheidungen eine Woche. Hast du Lust, sofort noch einmal zu legen, ist das ein Zeichen, eine Pause einzulegen.
  5. Schreibe alles auf. Datum, Frage, Karten, Deutung. Lies es nach ein paar Wochen noch einmal: Du siehst, was stimmte und was Projektion war.
  6. Nimm die Sicht einer Freundin oder eines Freundes ein. Frage dich: Wenn mir jemand diese Frage mit genau diesen Karten stellte, was würde ich sagen? Dieser Abstand kann reichen, um deine Deutung zurechtzurücken.

Eine letzte Regel, die der gesunde Menschenverstand ohnehin vorgibt: Wenn du eine belastende Zeit durchmachst, sprich mit einer Vertrauensperson oder mit einer Fachkraft. Das Tarot ist eine Denkhilfe, nie ein Ersatz für ärztliche oder psychologische Hilfe.

Die Methode in 5 Schritten

  1. Schreibe eine offene Frage auf und ein Ziel: verstehen, nicht erraten.
  2. Atme durch, mische, hebe ab (den ganzen Ablauf findest du in Tarotkarten ziehen).
  3. Ziehe eine bis drei Karten: eine Karte für eine einfache Frage, drei Karten für eine Situation (siehe Tarot Legesystem 3 Karten).
  4. Beschreibe, deute, notiere.
  5. Schließe mit einer sehr kleinen, konkreten Handlung ab: eine Nachricht schreiben, dir eine Frage stellen, eine Sache beobachten.

Wenn du allein legst, flüstert dir niemand die Bedeutung einer Karte zu. Hier hilft ein Deck, bei dem die Bedeutung direkt auf der Karte steht: Du musst nicht mitten in der Legung im Buch blättern und bleibst bei deiner Frage. Den kompletten Kurs auf Deutsch bekommst du nach dem Kauf per persönlichem Link. Lernen kannst du allerdings mit jedem Deck.

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An welchem Tag sollte man keine Karten legen? Warum nicht montags?

Diese Frage begegnet uns oft, und meistens bekommt man eine Liste von Verboten als Antwort. Hier eine nützlichere Antwort: Woher kommt dieser Glaube, und was machst du praktisch?

Woher stammt die Idee, montags keine Karten zu legen?

Der Glaube gehört zur mündlichen Tradition der Kartenlegerei: Er wird eher von Mund zu Mund weitergegeben, als dass er in Texten stünde, und wir kennen keine alte, genaue schriftliche Quelle dafür. In unserer Praxis begegnen uns „schlechte Tage“ vor allem als familiäre oder persönliche Überzeugungen, nicht als feste Regel. Zwei Erklärungen hört man am häufigsten.

  • Symbolisch. Der Montag ist der „Tag des Mondes“ (lateinisch lunae dies). In der traditionellen Astrologie steht der Mond für Gefühle, Fantasie und wechselnde Stimmung. Manche Leser halten diesen Tag deshalb für weniger günstig, weil er ihnen verschwommener erscheint.
  • Praktisch. Der Montag ist der Tag des Neustarts: Müdigkeit, Stress, voller Terminkalender. Ein überlasteter Kopf liest Bilder schlecht.

Der Montag ist übrigens nicht der einzige Tag, den manche Leser meiden: Von Leser zu Leser, von Quelle zu Quelle und von Tradition zu Tradition variiert die Liste der „schlechten Tage“, und wir übernehmen keine davon. Das sind persönliche oder familiäre Überzeugungen, die wir als solche darstellen, ohne zu behaupten, sie träfen zu. Entscheidend für das Lesen ist vor allem deine Verfassung im Moment.

Was tust du praktisch?

Du kannst die Tradition beachten, wenn sie dich beruhigt: Ein Ritual, das du frei wählst, ist völlig legitim. Brauchst du lieber eine einfache Regel, nimm diese: Der richtige Moment ist, wenn du ruhig und offen bist und ehrlich zu dir selbst. Verzichte dagegen auf die Legung, wenn:

Dein ZustandDas ist besser
Du hast zu wenig geschlafen oder bist am Ende deiner KräfteAuf den nächsten Tag verschieben
Du bist wütend oder aufgelöstDurchatmen, aufschreiben, was du fühlst, später legen
Du wartest auf eine ganz bestimmte AntwortDie Frage offen umformulieren
Du hast heute schon zum selben Thema gelegtMindestens einen Tag warten
Du hast es eiligZehn ruhige Minuten einplanen

Und Vollmond, Neumond, Merkur rückläufig? Dieselbe Logik: Manche legen gern in diesen Momenten, weil sie sich damit einen festen Termin mit sich selbst setzen. Wenn dir das gefällt, hier das Legesystem für den Vollmond und der Leitfaden zu Merkur rückläufig. Eine Pflicht ist das nicht.

Wann sollte man lieber keine Karten legen?

Die Frage lautet nicht „an welchem Tag?“, sondern „in welchem Zustand?“. Verzichte, wenn du zum zehnten Mal Beruhigung suchst, wenn du erwartest, dass die Karten eine schwerwiegende Entscheidung treffen (Gesundheit, Recht, Geld) oder wenn du dich überwältigt fühlst. In diesen Fällen hilft dir ein Gespräch mit einer nahestehenden Person oder einer Fachkraft mehr. Und willst du eine schnelle Ja-oder-Nein-Antwort, gibt es das Ja-Nein-Tarot mit seinen Grenzen.

Übung: eine Legung mit 3 Karten für dich allein, ohne dir etwas vorzumachen

  1. Schreibe eine neutrale Frage auf (Beispiel: „Was sollte ich darüber verstehen, wie ich mit dieser Veränderung umgehe?“).
  2. Ziehe drei Karten: 1 = was ich fühle, 2 = was ich objektiv weiß, 3 = was ich tun kann.
  3. Beschreibe jedes Bild, bevor du seine Bedeutung suchst.
  4. Schreibe auf, was ein wohlwollender Freund an deiner Stelle sagen würde.
  5. Lies es in einer Woche noch einmal. Wenn du weiterkommen willst, folge unserem 30-Tage-Plan zum Tarot-Lernen.

Häufige Fragen

Ist es gut, sich die Karten legen zu lassen?

Das ist möglich, wenn du Abstand behältst. Sei vorsichtig bei Menschen, die sichere Ergebnisse versprechen, Druck machen oder Geld verlangen, um einen „Fluch zu lösen“. Eine gute Legung eröffnet Möglichkeiten, ohne dir Angst zu machen oder für dich zu entscheiden.

An welchem Tag lügen die Karten?

Die Karten lügen nicht und sagen auch nicht die Wahrheit: Du deutest sie. Die Deutung trüben können Müdigkeit, Angst oder der Wunsch nach einer bestimmten Antwort, an jedem beliebigen Tag.

Wie schützt man sich beim Kartenlegen?

Wenn dich ein Handgriff beruhigt (atmen, eine Kerze anzünden, ein Tuch auslegen), nimm ihn. Am besten stellst du wohlwollende Fragen, legst nicht zu oft und hörst auf, wenn du dich überfordert fühlst.

Wie oft kann man sich die Karten legen?

Eine Tageskarte ist ein guter Rhythmus zum Lernen. Für dieselbe Frage genügt eine Legung: Legst du erneut, warte mindestens einen Tag. Siehe auch die Legung mit einer Karte.

Braucht man eine Gabe, um sich die Karten zu legen?

Nein. Karten zu lesen ist eine Fähigkeit des Beobachtens, die man lernt. Mehr dazu im Artikel Braucht man eine Gabe, um Tarot zu lesen?

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